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Was ist Plattdeutsch?
14.05.2017 13:48

Plattdeutsch, oder kurz auch einfach Platt genannt, wird wissenschaftlich auch als Niederdeutsch bezeichnet. 

Im Gegensatz beispielsweise zum Bayrischen ist das Plattdeutsche nicht, wie häufig angenommen, ein regionaler Dialekt, sondern eine durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen geschütze Regionalsprache, die ihrerseits über eine große Anzahl von Dialekten verfügt. 

Grundsätzlich ist Plattdeutsch im gesammten oberen Drittel Deutschlands verbreitet, einige Splittergruppen gibt es aber beispielsweise auch in Brasilien oder Afrika.

Schätzungen, wie viele Sprecher es gibt, gehen recht weit auseinder, aber ein bis zwei Millionen werden es wohl sein. 
Dazu kommen viele weitere, die zwar selbst kein Plattdeutsch sprechen, aber "so gut wie alles verstehen können", also über enorme passive Sprachkenntnisse verfügen.

 

Plattdeutsch - eine frühe Weltsprache?

Man könnte behaupten, dass Plattdeutsch im Mittelalter eine Art Weltsprache war. 

Von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 17. Jahrhundert hinein war die Hanse die große Handelsmacht in Europa. Die Hanse sprach platt und wer mit ihr handeln wollte musste es ebenfalls tun. So verbreitete sich die Sprache rund um Nord- und Ostsee und wurde zur "Kultursprache von Weltrang"

Vermutlich ist der damalige Stellenwert des Plattdeutschen mit dem heutigen Englisch zu vergleichen. 

Ab etwa 1650 verdrängte das Hochdeutsche die niederdeutsche Sprache zunächst als Schriftsprache und schließlich als Umgangssprache, sodass der Norden Deutschlands zweisprachig wurde. 

 

Eine Sprache mit vielen Dialekten

Als Umgangssprache hat sich Plattdeutsch vielerorts noch gehalten. 
Zumindest in den ländlichen Regionen Ostfrieslands wird zwischen Erwachsenen noch reger Klönschnack betrieben. 

Wie eingangs bereits erwähnt, unterteilt sich das Plattdeutsche dabei in viele Dialekte. Dabei gibt es einige große Sprachgruppen, wie das Nordniederdeutsche oder das Niederfränkische, aber auch unzählige weitere kleine Unterteilungen. 

Zum Nordniederdeutschen gehört beispielsweise auch das ostfriesische Plattdeutsch, welches sich über die drei Landkreise Aurich, Wittmund und Leer, sowie Emden und die Ostfriesischen Inseln erstreckt. 
Innerhalb dieses Geboetes weist jede Ortschaft sprachliche Eigenheiten auf. Diese Unterschiede können in der Aussprache, in Bedeutungsunterschieden oder auch in regional begrenzt verwendeten Wörtern liegen. 

Weil es so viele regionale Unterschiede gibt, ist es auch unmöglich, ein allumfassendes Wörterbuch zu schreiben, sodass sich Wörterbuchautoren in der Regel auf eine mehr oder weniger große Region beschränken.
Für den ostfriesischen Sprachraum gibt es übrigens ein sehr nützliches Onlinewörterbuch, das von der Ostfriesischen Landschaft unterhalten wird. 

 

Als Schriftsprache hat es das Plattdeutsche jedoch sehr schwer, da selbst Muttersprachler dazu neigen, ausschließlich Hochdeutsch zu schreiben. 
Das mag daran liegen, dass das Plattdeutsche Laute verwendet, die es im Hochdeutschen nicht gibt.

Es hat verschiedene Versuche gegeben, weitere Buchstaben beziehungsweise Sonderzeichen für diese Laute einzusetzten. Insgesamt hat es sich aber durchgesetzt, das gleiche Alphabet wie im Hochdeutschen zu verwenden. 

Obwohl sich inzwischen auch für das Plattdeutsche eine Rechtschreibung etabliert hat, sollte sich niemand durch die Angst, etwas falsch zu schreiben, davon abhalten lassen, auf Niederdeutsch zu schreiben.

Zumindest für den Anfang ist der Grundsatz "Schreibe wie du sprichst" in Verbindung mit den Grundregeln der hochdeutschen Rechtschreibung (Großschreibung von Nomen, Zeichensetzung etc.) sicher nicht verkehrt.

 

Nützliche Links

Wörterbücher

Lindow, Wolfgang: Plattdeutsch-Hochdeutsches Wörterbuch. Bremen, o.Z.

Vries, de, Gernot: Ostfriesisches Wörterbuch. Hochdeutsch/Plattdeutsch. Leer, 2000.

 

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